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Archiv für die Kategorie ‘Moralfragen’

Sind Soldaten Mörder?

7. März 2009

Diese Frage hat mich kürzlich beschäftigt, als ich unter einer Brücke folgenden Graffiti-Striftzug gelesen habe:

krieg3

Davon abgesehen, dass sich die Autoren dieses Exemplares im Gegensatz zu anderen Graffiti-Schmierereien einen Kopf gemacht haben, hat sich in mir jedoch trotzdem etwas Wut aufgetan.

Denn ich strebe in circa einem Jahr eine Bundeswehr-Laufbahn an und werde somit zu einem Soldat ausgebildet. Macht mich das pauschal nun zu einem Mörder, wie es der Autor dieses Graffito vermitteln möchte?

Vorweg, meine nachfolgende Meinung stellt keine objektive Antwort dar, es geht um die Betonung  moralischer Aspekte. Juristisch und somit objektiv betrachtet, bezeichnet das Kriegsvölkerrecht die Tötung eines gegnerischen Soldaten durch einen Soldaten nicht als Mord und somit nicht als strafrechtliche Handlung.

Alles klar? Dann kann ich an dieser Stelle eigentlich zum Schreiben aufhören und die Frage als geklärt deklarieren - eigentlich. Wenn da nicht die vielen moralischen Fragen und Überlegungen wären, die sich damals auch die Gesetzgeber stellen mussten, um entsprechende Regeln festzulegen.

Eines vorweg: Soldat zu sein bedeutet primär nicht in den Krieg zu ziehen und Menschen zu töten - das ist in Konfliktsituationen, wenn auch leider, das letzte Mittel.  Denn in Kriegszeiten werden im Zweifelsfall selbst Reservisten in den Krieg gezogen und somit zu Soldaten, demnach müsste letztendlich halb Deutschland pauschal als Mord-Kompanie gelten.

Ich für meinen Teil gehe zur Bundeswehr, weil mir nach meiner abgeschlossenen Berufsausbildung als Elektroniker beruflich viele attraktive Chancen und Weiterbildungsmöglichkeiten offen stehen. Als Soldat hat man die Aufgabe, im Rahmen der Armee die Souveränität des Landes zu garantieren, das Land und somit unsere Familien im Kriegsfall zu verteidigen und im Zweifelsfall die Waffe gegen den Gegner zu richten.

Man kann nur mutmaßen, wie ein Mensch tatsächlich reagieren würde, wenn ein Befeindeter mit der Waffe gegen ihn gerichtet vor ihm steht und den Finger am Abzug hält. Lässt man sich umbringen oder bringt man den Gegner um? Das selbe wird sich der Gegner in diesem Moment auch denken - einer wird abdrücken, das ist sicher. Und geschieht das dabei zwangsläufig aus Hass aufeinander? Oder aus Angst voreinander?

Nun, zurück zur eigentlichen Frage. Angenommen, der Soldat drückt ab und tötet den Gegner. Macht ihn das jetzt zu einem Mörder?

Er handelt aus Notwehr, genau wie sein Gegner es getan hätte. Das ist auch das, was die Kampfhandlungen eines Krieges vorantreibt. In der ersten Instanz treiben demnach die Kampfhandlungen der Soldaten den Krieg an. In zweiter Instanz ist die treibende Kraft der Auftraggeber, die Regierung, die die Soldaten beauftragt, die geforderte Aufgabe zu erfüllen.

Somit ergibt sich mir die Erkenntnis, dass Soldaten die Waffe sind - das Mittel zum Zweck - und die Regierung der Täter. Die Legislative handelt aus Überzeugung, die Exekutive handelt aus Notwehr bei direkter Konfrontation mit dem Gegner.

Gedanken…

Dabei gilt es zwischen Terroristen (im Regelfall den Überzeugten) und den von der Regierung beauftragten Soldaten zu unterscheiden.  Aber was habe ich vorher geschrieben? Die Regierung hat die Überzeugung, ihren Krieg voranzutreiben, die Regierung ist also der Terrorist?

Man muss nun also differenzieren, wer welche Prioritäten setzt. Terroristen priorisieren in der Regel die Tötung des Gegners. Die Regierung priorisiert im Kriegsfalle die Verteidigung, die Tötung des Gegners stellt im Zweifelsfall somit ein notwendiges Übel infolge der Verteidigung - der Notwehr - dar.

Ich bitte um Kommentierung, konstruktiver Kritik oder auch um die Aussprechung von Meinungsübereinstimmungen.

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